Zurück zu Lautsprecher

SBAcoustics, 3-Way Classic

 

Seit langer Zeit beschäftigte mich immer wieder mal ein Problem das einer dringenden Lösung bedurfte. Neue Lautsprecher sollten und mussten es sein. Allerdings keine von der Stange, sondern selbst gebaute. 

Auf Hörtests und bei Freunden hatte ich bis dahin schon so einiges Probe gehört und vieles für gut befunden. Ein paar der Lautsprecher kamen auch in die engere Auswahl, aber irgendwie wollte bei keinem der Funke so richtig überspringen. 

Ob jetzt diverse Schöpfungen der K&T oder von Udo W., bei beiden hätte ich fündig werden können und war auch knapp davor. Allerdings, so dachte ich mir, wenn ich jetzt schon selber was baue, dann keine Lautsprecher, die man auf jedem Hörtest zu sehen und zu hören bekommt. Warum nicht welche bauen, die man noch nie oder zumindest noch nicht so oft zu sehen und zu hören bekommen hat. 

Nach langem suchen und noch mehr lesen kam ich dann Dank eines Hinweises eines Freundes auf die Seiten von Troels Gravesen. Hier verbrachte ich jetzt noch mehr Zeit um mir die Lautsprecher die der Mann schon ans Licht der Welt gebracht hat zu begutachten. Viele von denen waren schon mal sehr gut aber fielen Aufgrund des Preises von vorne herein raus. Die übrig gebliebenen und sich preislich im Rahmen bewegenden wurden dann in meiner persönlichen Top 5 sortiert und ganz oben war dann diese Box: SBAcoustics, 3-Way Classic. Schlicht, eher Old-School und mit Furnier und Leder, so dachte ich mir, auch nett anzusehen.

Wie unschwer zu erraten eine 3-Wege Bassreflex Konstruktion. Bestehend aus einem Hochtöner SB29RDC-C000-4, einem Mitteltöner  SB12MNRX25-4 und einem Tieftöner SB23NRXS45-8

 

 

Problem!!! Wo kann man die hören? Garnicht so einfach und dann wurde es aus dem Bauch und den Bauberichten auf Troels Seite glaubend ein Blindkauf. Naja, eher ein Taubkauf. Sehen konnten man sie ja.

Anfragen tut man bei Jantzen Audio in Dänemark. Ein paar Stunden später war dann das Angebot im Postfach und es wurde bestellt. Wiederum ein paar Tage später stand dann ein Paket aus Dänemark vor der Tür. Gleichzeitig mit der Bestellung bei Jantzen, hatte ich auch Holzzuschnitt bei Expresszuschnitt bestellt, der fast gleichzeitig mit dem Paket von Jantzen ankam. Das Holz ist Birke Multiplex 21 mm für den Korpus und 16 mm für die Versteifungen innen. Die Front ist aus 2 MDF Platten, eine 16 mm und eine 19 mm, gedoppelt.

 

 

Beides, die Teile von Jantzen (Lautsprecher, Weichenbauteile, Zubehör) als auch das Holz waren 1A-Qualität. Den Zuschnitt im Baumarkt kennend hatte ich vorsichtshalber alle Zuschnitte etwas größer bestellt um sie dann hier auf Maß sägen zu können. Hätte ich mir sparen können. Die waren auf den Millimeter genau gesägt.

Nachdem das Holz auf Maß gesägt war, ging es ans zusammenleimen des Korpus. Unter Zuhilfenahme von Fugenleim, Spannbändern und ein paar Aluwinkeln nahm alles so langsam Gestalt an.

 

 

Der Leim zieht zwar schnell an, trotzdem habe ich dem ganzen Konstrukt eine Nacht zum trocknen gegeben. Am nächsten Tag ging es dann damit weiter die Rückwand zu verleimen und in die Bretter für die Versteifungen Löcher zu sägen. Der Mitteltöner bekommt sein eigenes kleines Gehäuse spendiert. Und immer dran denken, dass man eine linke und eine rechte Box baut und daher einige Sachen spiegeln muß  😎 

 

 

Sieht jetzt schon mal irgendwie ein wenig nach Lautsprecher aus. Man sieht auch, dass man im IKEA Programm Boxenständer finden kann 😎  Die Reste vom zusägen habe ich dann zum verstärken der Seiten genutzt um die Auflagefläche für die Frontplatte zu vergrößern. Anschließend wurden alle Leimreste und Kanten mit Schleifklotz und Bandschleifer plan geschliffen. Beim arbeiten mit dem Bandschleifer aufpassen, der nimmt sehr schnell, sehr viel Material weg!

Die Frontplatte hat dann allerdings viel mehr Dreck gemacht als nötig gewesen wäre. Da ich ja eine belederte Front haben wollte, hätte ich ohne Probleme auf schwarzes MDF verzichten und auf das normale und damit ungefärbte zurückgreifen können. Beim bestellen aber vergessen und daher schwarzes MDF in den Warenkorb gelegt. Das schwarze MDF verhält sich beim bearbeiten mit der Oberfräse zwar genauso wie das ungefärbte, aber man sieht den Dreck viel besser und trägt das schwarze Pulver gerne mal ein wenig in der Werkstatt herum. Aber da musste ich jetzt durch. Zuerst wird das oberste Brett der Frontplatte mit einer 20° Fase versehen. Der Ausschnitt für den Hochtöner muss vor dem zusammenleimen der beiden Frontplatten gemacht werden.  Dann erst werden die beiden Bretter miteinander verleimt. Nach dem Trocknen kommt dann der Spass mit der Oberfräse Teil 2. Auch hier, abgesehen vom Tieftöner, wieder dran denken, man hat eine linke und eine rechte Seite!

 

 

Während der Pausen die beim trocknen des Leims anfallen, kann man sich gut ans löten der Weichen machen. Hier habe ich mehr oder weniger das Design von Troels 1:1 übernommen.

 

 

Das Bassreflexrohr muss auch noch auf die richtige Länge gekürzt werden. Kann man mit der Säge machen, aber wofür hat man eine Drehbank?  😉  

 

 

Vom beledern der Front habe ich wohl leider keine Bilder gemacht, bzw. ich finde keine. Daher gibt es nur das fertige Resultat zu bewundern. Von hinten getackert und von vorne mit Sprühkleber geklebt. War wegen der zweiteiligen Front mit der 20° Fase nicht einfach und für mich auch nicht ohne Schnitte im Leder und der Front zu bewerkstelligen. Es ist aber weiterhin nur ein Stück Kunstleder. Das ganze ist aber am Ende zu meiner vollsten Zufriedenheit ausgefallen. Das was man nicht sehen soll, habe ich mit einer gefrästen und sandgestrahlten Aluschiene versteckt. Die Schrift ist mit schwarzer Farbe ausgelegt. Dann folgte die erste Anpassprobe. Passt!

 

 

Es sollte ja nicht nur eine belederte Front sein, sondern auch ein furniertes Gehäuse. Die Wahl des Furniers war das nächste Problem. Es gibt so viel und auch viele die mir gefallen haben. Die Wahl fiel dann auf Olive von Designholz.com. Es ist zwar Echtholz, aber kein Furnier wie man es sich normalerweise vorstellt, wenn man von Furnier redet. Dieses wird aus mehren Schichten Echtholz zusammengeleimt und daraus wird dann das Furnier gemacht. Gefiel mir sehr gut und hat den Vorteil, das es diese Art von Furnier in Größen gibt, wo man auch bei großen Boxen nicht anfangen muss mehre Stücke Furnier zu einem Stück zu fügen. Macht es viel einfacher. Ein weiterer Vorteil ist, dass bei diesem auch die Rückseite mit einem Vlies beklebt ist was es stabiler macht. Noch ein Vorteil den man beim schneiden und bearbeiten der Kanten zu schätzen lernt.

Furniert wurde die Box dann mit der Holzleim/Bügeleisen Methode. Der Holzleim war in meinem Fall Fugenleim, da ich den noch vom leimen der Box hatte. Furnier und Box mit Leim bestreichen und solange trocknen lassen, bis der Leim durchsichtig wird. Dann Furnier auf die Box legen und mit einem Bügeleisen (Stellung Wolle) und viel Druck aufbügeln. Vor allem die Kanten sollten mit viel Druck geleimt werden. Nicht verkehrt ist es das Bügeleisen beim bügeln der Kanten über die Kante hinaus zu schieben und dabei das Eisen nach unten kippen, so dass man das Furnier über die Kante nach unten drückt.

Die Kanten habe ich als erstes mit einem scharfen Teppichmesser gekürzt um sie anschließend mit einem Schleifklotz soweit wie nötig abzuschleifen.

 

 

 

Nachdem alles furniert war, kam wieder der Schleifklotz zum Einsatz. Alles im ersten Schritt mit 120er Körnung. Danach kam 240er zum Einsatz. Als Schutz des Furniers habe ich die Oberfläche anschließend mit Osmo Hartwachs-Öl seidenmatt gestrichen. Gestrichen heißt in diesem Fall, mit einem Tuch, welches auf keinen Fall fusseln darf, das Öl in kreisenden Bewegungen auf dem Furnier verteilt. Nach dem ersten und zweiten Anstrich bin ich nochmals mit dem Schleifklotz und einer 320er Körnung über die Box gegangen. Insgesamt habe ich die Box 3 mal mit dem Öl behandelt. Zwischen den Anstrichen wurde jeweils 24h gewartet. 

 

 

Die Weichen wurden eingebaut (siehe auch Bilder weiter oben) und dann das Dämmmaterial nach Anleitung zugeschnitten und eingeklebt. Vor dem Einbau der Weichen hatte ich diese mit Funktionsgenerator und Oszi auf Funktion überprüft.

 

 

In die Rückseite der Box wurden dann noch 2 Löcher für die Lautsprecherbuchsen gebohrt. Anschließend wurde die Front auf den Korpus geklebt. Dafür habe ich dann allerdings keinen Holzleim, sondern Montagekleber von Otto Chemie verwendet. Ein Geschenk meines Schwagers, mit dem Kommentar „Der klebt alles!“. Sämtliche Flächen an denen sich Korpus und Front berühren, wurden mit Montagekleber versehen. Vor allem muss man darauf achten, dass das Mitteltönergehäuse absolut dicht ist. Ist das nicht der Fall, bewegt sich der Mitteltöner auch mit, wenn der Tieftöner die Luft in der Box bewegt. Das kann man nach dem verkleben gut testen in dem man alle Lautsprecher einbaut, das Bassreflexrohr zuhält  und den Tieftöner mal mit der Hand nach unten drückt. Hebt sich dann die Membran des Mittletöners, ist das Gehäuse nicht dicht. Durch den Ausschnitt für den Tieftöner konnte ich noch 2 Schrauben setzen um die Front und den Korpus zu verschrauben. Dadurch konnte man die Front gut an den Korpus ziehen. Ich glaube nicht, dass das nötig gewesen wäre und auch wird sich nach derzeitigem Stand der Dinge die Front nie mehr ohne zu zerbrechen vom Korpus lösen. Dieser Kleber ist schon wirklich ziemlich gut! Beschwert (mit mehreren schweren Bleiakkus) wurde dann alles über Nacht zum aushärten des Klebers stehen gelassen. 

Die beiden Lautsprecherbuchsen wurden eingeschlagen und auf die Kabel von den Weichen zu den Buchsen wurden Ringösen gekrimpt. Danach wurden diese dann auf die Buchsen gesteckt und verschraubt. Nun wurden Kabel und Lautsprecher verlötet und diese dann erstmal lose ins Gehäuse gesetzt. Verstärker angeklemmt und Signal drauf gegeben. Hörte sich schon mal gut an. Weichen und Chassis habe ihren Dienst so wie geplant verrichtet. Allerdings lag die Box dabei auf ihrem Rücken. Das lies wenig Rückschlüsse auf den Klang zu.

Die Lautsprecher mit Schrauben im Gehäuse befestigt und zum Abschluss den Alustreifen auf die Fase der Front geklebt. Fertig ist sie!

 

 

Was soll ich sagen, sie spielt nun seit mehreren Monaten und gefällt aber sowas von Gut! Sehr gutes Fundament, schöne Mitten und klare Höhen. Alles so wie ich es mir vorgestellt hatte! Der Bau der Lautsprecher hat sich auf jeden Fall mal wirklich gelohnt.

Mein Dank gilt Troels für das entwickeln der Box und an Stefan für die Hilfe! 

Alles zusammengerechnet liegt dieses Paar Boxen bei etwas unter 1200,- €. 990,- € (Lautsprecher + Weichen + Zubehör + Versand), 150,- € (Holz + Versand) und dann noch die Flasche Fugenleim und die Dose Osmo Hartwachsöl. Ich muss sagen, gut investierte Euros! 

Permanentlink zu diesem Beitrag: http://geheimtinte.de/diyaudio/lautsprecher/sbacoustics-3-way-classic

3 Kommentare

    • Patrick on 10. April 2017 at 16:59
    • Antworten

    Schön sind sie geworden! Ich bin jetzt erstmal bei den Discovery W18 weil mein Budget gerade nicht mehr hergibt 🙂

    • Сергей on 17. April 2017 at 18:44
    • Antworten

    Молодец. Наверно получил большое удовольствие когда мастерил.

    1. Google translation: 🙂

      „Well done. Probably got a lot of fun when he made it.“

      Yes, I had! Thanks for your comment!

Schreibe einen Kommentar

Your email address will not be published.