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JBL 4425 Nachbau

Wie schon im Beitrag zum  5. Bergkamener Hörtest erwähnt, gab es da ja einen JBL 4425 Klon zu hören und der machte an meinem F6 und dem Aikido-PreAmp von Andreas (der auch die 4425 gebaut hatte) eine so gute Figur, dass ich mich dazu entschloss diesen Nachbau auch nachzubauen. Gesagt getan!

Aber erstmal was zur Original JBL 4425. 1985 als kleine Schwester der 1981 erschienenen JBL 4430 als Studio-Monitor auf den Markt gebracht. Bestückt mit einem 2214H 12″-Tieftöner, einem 2416H 1″- Titan-Hochtontreiber und dem 2342 Horn, auch bekannt als „Arschbacken“, welches das Erkennungszeichen der JBL Monitore 4425,30,35 ist. Der Frequenzgang ist von 40 Hz bis hinauf zu 16 kHz sehr linear und fällt danach ziemlich steil ab. Die Trennfrequenz liegt bei 1,2 kHz. Als Original gehen die in der Bucht, je nach Zustand, schon mal für gut und gerne 2000,- €  und mehr über den Tisch, wenn man denn welche findet.

Als Vorlage für diesen Nachbau diente mir die Anleitung von https://lautsprecherbau.jimdo.com/projekte/jbl-4425/

Als erstes wie immer eine Bestellliste geschrieben und abgearbeitet. Da dieser Nachbau ein „wenn mal am Ende vom Monat noch Geld über ist Nachbau“ werden sollte (ich hatte ja Zeit, da ich über meine Classic ja ausgezeichnet Musik hören kann), dauerte das bestellen und in den Händen halten dann auch etwas über 5 Monate.  Jetzt zu den einzelnen Komponenten die diesen Nachbau ausmachen:

Hochtonhorn: P-Audio PH-230

Hochtontreiber: P-Audio BM-D 450 MK 2

Basslautsprecher: Monacor SPH315

 

Bassreflexrohre sind BR 70V, bei Strassacker unter der Bestellnummer I-6998 zu finden.

Die dazugehörige Weiche sieht so aus:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Fertig aufgebaut auf einem Stück Restholz:

Als Holz hatte ich im Gegensatz zum Original-Nachbau-Plan mit 24 mm,  nur 21 mm Birke Multiplex zur Verfügung. Wiegt aber trotzdem noch beachtliche Kilos. Um die fehlenden 3 mm „auszugleichen“ 🙂 , habe ich dem Gehäuse eine Versteifung gegönnt. Der Zusammenbau gestaltete sich relativ einfach. Ist ja auch nur ein 4-eckiger Kasten ohne Schnickschnack. Das Sandmännchen 😉 hat mir dann noch einen schönen Plan gezeichnet. Beim Bau des Gehäuses bitte daran denken, dass es eine linke und eine rechte Seite gibt. Der Ausschnitt für das Horn muss für das 2. Gehäuse gespiegelt werden. Da der Hochtontreiber doch einiges an Gewicht mit sich bringt und er als einzige Befestigung die beiden Schrauben hat, die ihn mit dem Horn verbinden, wird er im Gehäuse fixiert. Siehe Bilder.

 

Mein Plan war, möglichst nahe an das Aussehen der Original JBL 4425 zu kommen. Dafür dann erstmal das Internet nach Bildern durchforstet und geschaut was man dann im Nachbau so umsetzen kann. Vorne und hinten komplett schwarz sollte das kleinste Problem sein. Die beiden Seiten, oben und unten in Walnuss furniert. Walnussfurnier ist nicht so einfach in großen Abmessungen zu bekommen. Wenn man es denn überhaupt bekommt. Und Furnier zusammen zu stückeln ist nicht so meins. Als Alternative bot sich dann Nussbaum matt geölt an. Das kommt dem Original schon sehr nahe. Wie beim letzten mal auch wieder von designholz.com. Für die Front und Rückseite kommt Warnex zum Einsatz. 

Furniert wurde wieder mit der klassischen Holzleim/Bügeleisenmethode. Was von Box zu Box tatsächlich immer einfacher von der Hand geht. Anschließend wurde das Furnier wieder mit Osmo Hartwachsöl 3032 Farblos seidenmatt geölt. Nach dem ersten ölen und abtrocknen lassen habe ich die ganze Box einmal angeschliffen und anschließend noch 2 mal geölt. Zwischen dem ölen verging jeweils ein Tag. 

Nachdem das geschafft war, ging es an den Zusammenbau was aber auch nicht all zu schwer ist. Falsch machen kann man da eigentlich nichts. Die Weiche habe ich mit 3 Schrauben in der Box befestigt und 3 Beutel Sonofill (schwarz) pro Box im Gehäuse verteilt, wobei der Bereich hinter dem Tieftöner und den Bassreflexrohren freibleibt.

Da die Box vielleicht mal an einem Röhrenverstärker betrieben werden soll, haben wir auf dem FF mal eine Impedanzmessung gemacht, was folgendes Bild hervorbrachte.

Die gelbe Kurve ist die Messung mit der Originalweiche und wie man sieht, sieht man da einen Impedanzanstieg mit einem Maximum bei etwas über 1 kHz. Die grüne Kurve ist die mit der dann hinzugefügten Korrektur, die folgende Werte hat: L = 0,56 mH, C = 68 μF, R = 10 Ω.

Bei der Musik die ich so höre, nennen wir sie mal etwas Gitarrenlastig, begeistert mich die Box ein ums andere mal und ich erwische mich regelmäßig beim drehen am Lautstärkeregler. Im Uhrzeigersinn 😉 Völlig anders als meine Classic. Ist diese mehr so der sanfte, einschmeichelnde alles richtig machende Typ, geht diese Box schon mehr so in Richtung „ich will Spaß, ich geb Gas“. Mehr so Live als Konserve. Wer einmal Rodrigo y Gabrielas Pink Floyd Cover von Echoes gehört hat, wird sehr wahrscheinlich wissen wovon ich Rede (ist übrigens die B-Seite auf deren Album Mettavolution). Gefällt, sehr sogar!

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16 Kommentare

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    • Sandmännchen auf 1. Oktober 2019 bei 13:10
    • Antworten

    Hi Michael,

    schöne Dokumentation! :o)

    Christian

    • Daniel Weissenberger auf 7. Januar 2020 bei 20:51
    • Antworten

    Hi Michael,

    ich habe die 4425 Replica im Jahr 2015 ebenfalls im Zuge eines Projektes in der Ausbildung gebaut. Die Anleitung schrieb einer unserer Lehrer, und wurde während unseres Projekt noch perfektioniert.

    Mein Pärchen spielt seit 2015, jedoch wurde es, wie zumindest bei mir üblich, nie fertiggestellt. Es ist klanglich über jeden Zweifel erhaben, ihm fehlt aber immer noch das passende Kleid :-). Äusserlichkeiten sind mir auch nicht wirklich wichtig, aber das MDF Design hab ich dennoch satt.

    Das Furnier finde ich super. Ich habe nun ein Furnier bei Designholz bestellt, aber habe keinerlei Erfahrung mit der Verarbeitung. Du schreibst klassisch mit Leim/Bügeleisen. Kann man das Furnier über die Kanten ziehen, oder muß man jede Seite passend schneiden? Und, gibt es sonst irgendwas zu beachten, bzw. kannst du als Profi mir irgendwelche hilfreichen Tips zur Anwendung geben?

    Lg, Daniel

  1. Hi Daniel,
    vielleicht hilft dir diese kleinen Foto-Story vom Furnierworkshop auf dem allerersten Frickelfest: https://holgerbarske.com/pics/album/FF08%20-%20Furnierworkshop/index.html
    Verdammt, waren wir jung…

    • Nick Hoffmann auf 12. März 2020 bei 14:31
    • Antworten

    Durch den Bypass C5 sinkt die Impedanz oberhalb von 5,6KHz unter 1 Ohm. Ist Das nicht reichlich gefährlich für den Verstärker? K&T hat vor vielen Jahren ein Messprotokoll des TT abgedruckt. K3 geht bei 85db um 1KHz durch die sprichwörtliche Decke. Diese Gedanken hindern mich seit Jahren daran, meine Babies fertig zu stellen.

    1. Hallo Nick,

      wenn ich mir den Impedanzverlauf (s.o.) der Box so ansehe, sieht mein Verstärker nie weniger als 4 Ohm.
      Da habe ich kein Problem mit.
      Ich kenne nur die K2/K3 Mesungen bei 80 und 100 dB/1m. Wobei mir da bei 1 KHz auch nichts auffällt. Eher
      etwas tiefer. Das was bei 80 dB/1m gemessen wurde ist für mich noch völlig OK. Max 1% K3 und das ist das
      Chassis alleine gemessen. In der Box kommt da ja noch eine Weiche vor, die das ganze ja auch noch ein
      wenig bedämpft.
      Zusammengefasst: Ich und auch viele andere, können mit der Box sehr gut Musik hören. Was allerdings auch
      stimmt ist, das ist keine Box für jegliche Art von Musik. Für das was ich höre, geht das aber sehr gut 😉

    • Nick Hoffmann auf 17. März 2020 bei 07:00
    • Antworten

    Vielen Dank für die hilfreichen Informationen. Vor einiger Zeit bin ich auf ein Foto von einem „Frickelfest“ aufmerksam geworden und hatte mich seit damals immer wieder gefragt, wie kann Das sein. So eine Weiche und doch taucht die Box beim Frickelfest auf… Ich werde es wagen und meine Babies fertigstellen. Danke

  2. haben sie spüle fur jbl 2214 h

  3. Hallo, welche Art von Musik kommt denn bei dieser Box nicht so gut? Ist sie trotzdem hörbar?
    Gruss

    1. Ich habe es mal mit Klassik probiert. War nicht so mein Fall. Würde ich dafür nicht nehmen. Und Platten die nicht wirklich gut aufgenommen waren, bemerkst du damit ziemlich schnell.

    • pehajope auf 5. April 2021 bei 10:41
    • Antworten

    Moin,
    ist ja nun schon ne Weile mit dem Nachbau her.
    Habe immer noch das Gefühl das die Mitten einfach zu präsent sind, auch die Höhen könnten etwas mehr. Deshalb bin ich am überlegen ob ich die Höhen nicht auf +1dB löte.
    Da ich ja von Anfang an eine Röhre an den LS am laufen habe, evtl. doch auch die Korrektur vor schalten (ganz blöde Frage, die kommt doch an den Ausgang vor die Stecker?)
    Den Bass würde ich gerne so tief behalten 😉

  4. Gaaaanz wichtig! Mach die Impedanzkorrektur davor! Ohne klingt die Box an ’ner Röhre einfach bescheiden!
    Wenn es dir dann oben rum immer noch zu lahm ist, kannst du dann ja auf +1 dB löten oder am besten gleich
    nen Schalter einbauen 🙂
    Ja, die Impedanzkorrektur klemmst du einfach an den Eingang der Box zwischen + und -.

    • pehajope auf 13. April 2021 bei 12:06
    • Antworten

    michasch schrieb: Ja, die Impedanzkorrektur klemmst du einfach an den Eingang der Box zwischen „+ und -.“

    Also nicht nur an den Eingang von+ ? Hört sich doof an, aber ich war immer der Meinung nur an die + Leitung vom Eingang in die Box. Da wird der Ton nämlich doch lautstärkemäßig beschnitten.

    Muss unbedingt mich wieder mehr drum kümmern. 😉

    Wäre schön und ich dir dankbar, wenn du trotz dummer Fragen mir etwas auf die Sprünge hilfst

  5. Du möchtest keine Reihenschaltung von 2 Widerständen sondern eine Parallelschaltung. Das erreichst du wenn du die Impedanzkorrektur zwischen + und – schaltest. Also parallel zur Weiche.
    Es geht um einen möglichst linearen Impedanzverlauf der Box. Hier wollte ich jetzt die Impedanzerhöhung bei etwas über 1kHz auf die normale Impedanz der Box bringen. Also von den 22 Ohm auf so um die 6 Ohm – 8 Ohm. Du suchst jetzt also eine RLC-Reihenschaltung, die beim Impedanzmaximum (22 Ohm) den geringsten Widerstand hat.
    Wenn du parallel zum Lautsprecher jetzt einen Widerstand von 10 Ohm hängst, kommst du auf die angestrebten 7 Ohm Impedanz.
    Warum jetzt RLC und nicht einfach einen Widertand mit 10 Ohm? Weil dieser ja seine 10 Ohm über den gesamtem Frequenzbereich hat und du ja einen frequenzabhängigen Widerstand benötigst, eben mit seinem Impedanzminimum bei dem Impedanzmaximum der Box.

  6. Hallo Michael,

    das ist mal wieder eine super Doku, mit dem Internet ist es wie in der Beton-Werbung: Es kommt drauf an, was man draus macht!
    Glücklicherweise gibt es nicht nur Tik-Tok!
    Trotzdem habe ich ein paar Fragen:
    Ist der Warnex Lack einfach zu verarbeiten (Vorbereitung?) und ist das Ergebnis gut – die Bilder sind auch vergrößert nicht so auflösend? (Es ist wohl der Nextel Lack, den z. B. Revox mal verarbeitete, der nicht einfach in der Anwendung ist.)
    Woher hast Du das Typschild, oder ist es angefertigt – wie?
    Du hast laut Plan ohne Gehrung gearbeitet. Sieht / fühlt man auf der Oberseite durch das Furnier die Kanten? Wenn nicht, kann man sich die Gehrung natürlich sparen…
    Die Herkunft der vorderen Regler interessiert mich auch, aber man kann nicht genau sehen, ob diese Teil eines Fake-Typschildes sind, denn schließlich regelst Du ja da vorne nichts, der Lorlin Schalter für den Hochton ist ja hinten angebracht und Mitteltonregelung sieht die Weiche nicht vor.
    (Mir sind die Teile für die 4430 „zugeflogen“, aber es ist angesichts meiner größeren, besseren und vor allem wohnzimmertauglicheren anderen Boxen mehr die Lust am Basteln und am Retro-Charme als Notwendigkeit….)

    Gruß Klaus

    1. Hallo Klaus,

      erstmal Danke für das Lob 🙂
      Warnex ist einfach. Dose auf, und mit der Rolle aufs nackte Holz. Die Rolle ist jetzt Geschmackssache.
      Feine Rolle feine Struktur o. grobe Rolle gröbere Struktur. Ich streiche so 2 – 3 mal.
      Nextel ist was anderes und was man so liest nicht wirklich einfach in der Verabrbeitung.
      Für JBL Typschilder such mal bei ebay nach nem Händler mit Namen „italianshop“. Das ist aber nur
      Folie, einseitig klebend. Ich hab das auf 1 mm starkes Alublech geklebt.
      Die Kanten fühlst du durch das Furnier auf keinen Fall. Vor dem furnieren gut schleifen schadet
      aber auch nicht.
      Die Regler vorne sind nur aus Alurohr gedrehte Fake-Knöpfe. Die machen, wie du schon richtig
      erkannt hast, absolut nichts. Reine Optik.
      Was besseres als ne 4430? Das muss dann mindestens ’ne 4435 sein und wohnzimmertauglich ist
      immer relativ.

      1. Hallo Michael,

        ganz vielen Dank für die Antwort!
        Schön, dass man mit dem Lack eine passende Oberfläche hinbekommt!
        Das mit den Typschildern ist ja der Brenner! Wollte schon mal ein Bild in eine Vektorgrafik wandeln, bearbeiten und genau wie Du es gemacht hast auf Alu ziehen. Irgendwie gehört die Originaloptik schon dazu. Abweichende Nachbauten mögen sich genau so gut anhören, aber diese Trümmer gehören einfach zu einer Menge Musik aus meiner (unserer?) Jugend, da muss auch ein Typschild drauf! (Grins)
        Dann brauche ich nach Reglern in Originaloptik wohl nicht erst suchen, wenn Du sie nicht gefunden und Dir so viel Arbeit mit der Nachbildung gemacht hast.
        (Will vom Thema nicht allzu weit abweichen, meine anderen Boxen sind ein schier unendliches Projekt, ehemals passiv, nun teils oder ganz aktiv per Digiweiche aus dem DIYAudio Forum – die 4430 ist eine Art krachlederner Gegenentwurf mit nur zwei Wegen – obwohl ich schon provisorisch mit Fostex T705 als Hochtöner und ein paar ebenfalls als Beifang gelandeter 17er Inverskalotten aus der Cabasse Albatross als Bindeglied von 38er zum Backenhorn liebäugele…. doch nein, das darf doch nicht sein, nicht original und schon wieder Vierweg! – Bei Interesse lass uns darüber mailen, das geht hier zu weit. Ja, ja, die Wohnzimmertauglichkeit – schon gut, Du hast ja Recht, ich gucke gerade in die anderen Ecken des Raumes, honi soit, qui mal y pense!! Oder Büro, Schlafzimmer…?)

        Gruß Klaus

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